Grünbewuchs an der Fassade: Auswirkungen auf den Putz und wann Handlungsbedarf besteht

Die nordseitige Wand des Gebäudes hat sich grün verfärbt. Im Sommer ist es besonders deutlich sichtbar. Der Verwalter erhält ständig Anrufe von Bewohnern. Die Fassade war zehn Jahre alt und sah gut aus – bis sie es nicht mehr tat. Jetzt stellt sich die Frage: Ist das nur ein ästhetisches Problem, oder steckt mehr dahinter?

Biologischer Bewuchs an einer Fassade ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Wird er nicht rechtzeitig beseitigt, beginnt er, den Putz von innen zu beschädigen. Wenn man versteht, wie dieser Prozess funktioniert, kann man entscheiden, wann eingegriffen werden muss – bevor das Problem kostspielig wird.

Woher der Bewuchs kommt: Algen, Moos und Pilze auf Putz

Grüne, graue oder schwarze Verfärbungen an einer Fassade sind das Ergebnis einer Oberflächenbesiedlung durch Mikroorganismen. Die häufigsten sind:

Algen (Chlorophyta, Cyanobacteria) sind die ersten Organismen, die sich auf einer feuchten oder schattigen Oberfläche ansiedeln. Sie bilden einen charakteristischen grünen oder grünlich-grauen Belag, besonders sichtbar an nordseitigen Wänden und in der Nähe von Dachrinnen. Sie benötigen zum Überleben nur Feuchtigkeit und diffuses Licht und sind daher nicht besonders anspruchsvoll.

Pilze und Schimmel besiedeln die Fassade nach Algen oder unabhängig davon, besonders dort, wo der Putz Feuchtigkeit aufgenommen hat. Sie bilden dunkle, schwarze oder graubraune Flecken. Pilze geben Enzyme ab, die den Bindemittelanteil in mineralischem Putz angreifen.

Moose und Flechten treten in einem fortgeschritteneren Stadium der biologischen Besiedlung auf, besonders rund um den Sockel und in Rissen. Die Bewurzelung von Moos stört die Putzstruktur mechanisch.

Die Bedingungen, die biologisches Wachstum begünstigen, sind in erster Linie Oberflächenfeuchtigkeit durch Beschattung, undichte Dachrinnen oder schlechte Wandbelüftung, eine raue Putztextur, die Mikroorganismen mehr Haftpunkte bietet, sowie das Fehlen oder die Erschöpfung der bioziden Beschichtung in der Fassadenfarbe.

Was mit dem Putz ohne Eingriff passiert: Der Degradierungsmechanismus

Biologischer Bewuchs bleibt selten nur an der Oberfläche. Seine Auswirkung auf den Putz entwickelt sich stufenweise.

Stufe 1: Oberflächenbesiedlung. Mikroorganismen besiedeln die äußere Putz- oder Farbschicht. In diesem Stadium ist der Schaden reversibel, und eine chemische Reinigung entfernt den Bewuchs rückstandslos.

Stufe 2: Eindringen in die Struktur. Pilze und Algen produzieren organische Säuren, die mit dem Bindemittel in Zement-Kalk- oder Mineralputz reagieren. Es bilden sich Mikroporen. Der Putz verliert seinen Zusammenhalt und beginnt bei jedem Regenfall mehr Wasser aufzunehmen.

Stufe 3: Wiederholtes Frieren und Tauen. Wasser, das vom geschwächten Putz aufgenommen wird, gefriert im Winter, dehnt sich aus und sprengt das Bindemittel von innen. Im Frühling beginnen Absplitterungen, Abblätterungen und Risse aufzutreten.

Stufe 4: Verlust der Dämmfunktion. Beschädigter Putz schützt die Wand nicht mehr wirksam vor Wasser. Feuchtigkeit dringt in die Dämmschicht oder direkt in die tragende Wand ein. Die Reparaturkosten steigen im Vergleich zu einem frühen Eingriff um ein Vielfaches.

In einem gemäßigten Klima dauert der Übergang von Stufe 1 zu Stufe 3 normalerweise mehrere Jahre. Unter günstigen Bedingungen, z. B. bei einer beschatteten Wand, einer undichten Dachrinne oder dem Fehlen von Biozid in der Farbe, kann dieser Zeitraum kürzer sein.

Reinigungsmethoden mit Seilzugangstechnik

Die Entfernung von biologischem Bewuchs von einer Fassade erfordert eine Kombination von Methoden, die je nach Schweregrad des Problems und Putzart ausgewählt werden.

Hochdruckreinigung (Hydrojet-Reinigung) ist effektiv bei frischem Algenbewuchs, der nicht tief in die Struktur eingedrungen ist. Der Wasserdruck entfernt mechanisch die Schicht der Mikroorganismen von der Oberfläche. Ein zu hoher Druck kann jedoch geschwächten Putz beschädigen, sodass die Wahl der richtigen Parameter Erfahrung erfordert.

Chemische Reinigung mit einem biologisch abbaubaren Algizid ist die Grundmethode bei fortgeschrittenem Bewuchs. Das Mittel wird auf die Oberfläche aufgetragen, je nach Produkt für eine bestimmte Zeit einwirken gelassen, von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden, und dann abgespült. Es vernichtet Mikroorganismen in Mikroporen und Rissen, die eine Hochdruckreinigung allein nicht erreichen kann.

Aufbringen eines penetrierenden Biozids wird bei tiefer biologischer Besiedlung verwendet. Solche Mittel dringen tiefer ein und wirken auf Pilzmyzel, das in der porösen Putzstruktur eingebettet ist. Sie werden häufig als Vorbehandlung vor der Hochdruckreinigung verwendet.

In jedem Fall erfordern Fassadenarbeiten oberhalb weniger Meter einen Höhenzugang. Seilzugangstechnik ermöglicht es, jeden Teil des Gebäudes zu erreichen, vom Gesims bis zum Sockel, ohne den Bereich rund um das Gebäude zu belegen.

Wie man verhindert, dass der Bewuchs zurückkehrt

Die Beseitigung des Bewuchses ohne Schutz der Oberfläche bedeutet, dass das Problem zurückkehrt, oft schneller als beim ersten Mal, weil Mikroorganismen nun fertige Unterkünfte innerhalb des Putzes haben.

Methoden zur Verringerung der Rückkehr umfassen Folgendes.

Eine Schutzschicht mit Biozid ist eine Farbe oder ein Imprägniermittel, das aktive biozide Substanzen enthält und nach der Reinigung aufgetragen wird. Es verlangsamt die Wiederbesiedlung. Seine Lebensdauer hängt vom Hersteller und der Wandexposition ab, beträgt aber in der Regel mehrere Jahre.

Reparatur von Lecks ist unerlässlich. Eine undichte Dachrinne, beschädigte Blechabdeckungen und fehlende Fensterdichtungen sind die Hauptquellen für übermäßige Wandfeuchtigkeit. Die Beseitigung der Ursache ist wichtiger als das Auftragen von Biozid.

Verbesserung der Wandbelüftung ist ebenfalls wichtig. Bei WDVS-Dämmsystemen wird dies durch die richtige Materialauswahl erreicht. Bei älteren Gebäuden hängt es von einer effizienten Belüftung der Räume ab.

Regelmäßige Inspektionen sollten alle zwei bis drei Jahre durchgeführt werden, besonders an nordseitigen und beschatteten Wänden. Eine frühzeitige Erkennung der ersten Anzeichen von Bewuchs ermöglicht eine Intervention mit einer kostengünstigen Methode.

Ein praktischer Inspektionstermin für eine Wand mit biologischem Problem ist ein Jahr nach der Reinigung und dem Auftragen der Schutzschicht. Zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich zu prüfen, ob der Bewuchs wieder zu entstehen beginnt. Ist dies der Fall, kann eine Überprüfung der Empfehlungen des Biozid-Herstellers oder eine Entscheidung zur Änderung des Schutzsystems notwendig sein.

Wann Eigenreinigung nicht ausreicht

Im Handel erhältliche Fassadenreinigungsmittel und Hochdruckreiniger aus Verleihstationen funktionieren gut auf kleinen Bodenflächen. Bei mehrgeschossigen Gebäuden haben sie jedoch mehrere Einschränkungen.

Reichweite: Wände über 3-4 Metern sind ohne Höhenarbeitsgeräte praktisch unzugänglich.

Sicherheit: Das Arbeiten mit einem Hochdruckreiniger von einer Leiter oder einem nicht professionellen Gerüst birgt Unfallrisiken.

Wirksamkeit: Ohne geeignete Chemikalien tötet eine oberflächliche Wäsche keine Mikroorganismen ab, die in der Putzstruktur eingebettet sind, sodass das Problem schneller zurückkehrt.

Wenn an der Wand eines mehrgeschossigen Gebäudes biologischer Bewuchs aufgetreten ist, empfiehlt es sich, eine Inspektion von einem spezialisierten Höhenzugangsunternehmen zu beauftragen. Die Beurteilung des Fassadenzustands, die Auswahl der Methode und die Erstellung eines Angebots dauert in der Regel nur wenige Minuten vor Ort und bildet die Grundlage für eine rationale Entscheidung.

Bestellen Sie eine Fassadeninspektion. Wir beurteilen den Schweregrad des Problems, schlagen eine Methode vor und kalkulieren die Arbeiten unverbindlich.

Autor des Beitrags

Piotr Lankiewicz

Spezialist für Höhenarbeiten und Seilzugangstechnik (Industrieklettern). Inhaber eines Unternehmens, das Aufträge an den unzugänglichsten Orten des Landes realisiert. Er setzt auf Termintreue, Arbeitsschutzstandards oraz Lösungen, die Zeit und Kosten sparen, wo der Einsatz von schwerem Gerät unwirtschaftlich ist.